Das Paradies ist durch ursprüngliche Unschuld, dauerhaften Frieden und die Anwesenheit Gottes gekennzeichnet. Hier lebt der Mensch im ewigen Licht, in völliger Harmonie, eingebettet in Gemeinschaft mit der Schöpfung, strebt nicht nach Selbsterkenntnis, kennt keinen Wissensdurst, keine Sorge, keine Mühe und keine Konflikte. Das Paradies ist Ausgangs- und Endpunkt ewiger Sehnsucht des Menschen.

Nicht nur die Religionen dieser Welt, sondern auch die Kulturen beantworten seit jeher diese elementare Sehnsucht mit unterschiedlichsten Bildern. Paradiesvorstellungen existieren als Gegenbilder zu der erlösungsbedürftigen Welt ebenso wie als Trugbilder einer von Lifestile und Konsum gesteuerten Wirklichkeit. Künstliche Paradiese bestimmen zunehmend unseren Lebensraum, obwohl sie immer nur kurzfristige Abkehr von einer unbefriedigenden Gegenwart ermöglichen.

Wir brauchen mehr und immer mehr davon. Im Gegensatz dazu zielt Kunst auf Formen der Bewußtseinserweiterung, in der Denken und Fühlen verschmelzen sollen. Der Gegensatz zwischen Paradiesvorstellung und der realen menschlichen Existenz umschreibt das Spannungsfeld, das die Auswahl von Kunst und Künstlern für "Lost - Paradise - Lost" be-stimmt hat. Viele der in der Ausstellung vorgestellten Werke gründen sich auf existentielle Grenzerfahrungen und äußern sich im Rückgriff auf christliche Symbole. Das Licht, die Flamme, das Kreuz etwa treten immer wieder in das Blickfeld und beschreiben religiöse Urbotschaften.

Obwohl eine starke Sehnsucht nach Religion besteht, haben viele Menschen eine dramatische Abkehr vom kirchlichen Raum vollzogen. Vielleicht kann Kunst heute wieder jenen visionären Zugang zu transzendenten Welten eröffnen, der ursprünglich allein der kirchlichen Arbeit vorbehalten war. Die Ausstellung "Lost Paradise Lost" stellt die Frage, ob Künstler auch heute noch glaubhafte Bilder schaffen, in denen die Sehnsucht nach dem Göttlichen erkennbar wird?

Die Ausstellung "Lost Paradise Lost" bringt die Kunst in jenen Raum zurück, in dem der Mensch, anders als im Museum, ganz mit sich selbst eins sein kann und sich zugleich vor einem Anderen zu begreifen vermag. "Lost Paradise Lost" findet daher ausschließlich in Kirchen statt, in Räumen, die der Verinnerlichung und Andacht gewidmet sind. Damit entspricht die Ausstellung dem Anliegen der Kirche, sich neu und verstärkt kulturellen und künstlerischen Fragen zu öffnen. Zugleich greift sie jene Sehnsucht nach dem Religiösen auf, die sich jenseits oder am Rande der institutionalisierten Kirchen entfaltet hat.

Die Frage, ob mit einer solchen Ausstellung der Graben, der sich über hunderte von Jahren zwischen Altar und Museum geöffnet hat, überwunden werden kann, darf jedoch nicht nur von Künstlern, Kunsthistorikern und Theologen, sondern sie muß von den Besuchern der Ausstellung dieser 13 Kirchen beantwortet werden.

Kunst und Religion im 20. Jahrhundert. Aspekte

Vom Expressionismus bis in die Gegenwart

In der ev. luth. Marktkirche Hannover sollen etwa 35 religiös inspirierte (vorwiegend plastische) Werke aus unterschiedlichen Phasen der Kunst des 20. Jahrhunderts präsentiert werden. Es geht hier, der formalen Entwicklung der Kunst des Jahrhunderts folgend, vor allem um solche Kunstwerke, die eher an einer "konventionellen" Vorstellung vom plastischen Kunstwerk als Monument geprägt sind. Der Schwerpunkt dieser synoptisch zusammengestellten Werkschau liegt im Bereich der klassischen Moderne, reicht aber über die Kunst nach 1945 bis in die Gegenwart hinein.


Ernst Barlach, Der Bettler, 1930

Bernhard Hoetger, Jüngling, 1928

Wieland Förster, Großer Trauender Mann, 1982/83

Georg Kolbe, Assunta, 1921

Markus Lüpertz, Der Hirte, 1986

Jan Fabre, Zal hij altijd met aaneengesloten voeten staan, 1997
Antony Gormley, Object, 2000

Von Marina Abramovic bis Günter Uecker
13 Instalationen in 12 Stadtkirchen

12 verschiedene Kirchen der Stadt Hannover haben ihre sakralen Räume für LOST PARADISE LOST zur Verfügung gestellt. So konten internationale Künstler für die Idee gewonnen werden, im Rahmen von LOST PARADISE LOST ein Werk zu präsentieren, das sich mit dem sakralen Raum und der abendländischen Paradiessehnsucht auseinandersetzt.

Marktkirche
Hans-Lilje-Platz 2,
30159 Hannover
Geöffnet täglich
10.00 bis 20.00


Zachäuskirche
Harzburgerstr.5,
30419 Hannover
Telefon: 05 11/79 30 21
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Kreuzkirche
Kreuzstaße,
30159 Hannover
Telefon: 05 11/364370
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Neustädterkirche
Rote Reihe 5,
30169 Hannover
Telefon 05 11/1 56 76
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Johanniskirche
Brabeckstr. 128,
30539 Hannover
Telefon: 05 11/52 11 80
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Lutherkirche
An der Lutherkirche
11, 30167 Hannover
Telefon: 05 11/70 17 31
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Willehadikirche
Orionhof 4,
30823 Barbsen
Telefon: 0 51 37/7 10 51
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Gartenkirche
Marienstraße 35,
30171 Hannover
Telefon: 05 11/32 07 60
Das Kunstwerk befindet sich auf dem Gartenfriedhof und kann ganztägig besichtigt werden.


Matthäuskirche
Wöhlerstraße 22,
30163 Hannover
Telefon: 05 11/66 96 22
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Bugenhagenkirche
Stresemannallee 34,
30173 Hannover
Telefon: 05 11/5 35 30
Geöffnet Täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Stephansstift
Kirchröder Str. 44,
30626 Hannover
Telefon: 05 11/5 35 30
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Markuskirche
Hubertusstraße 4,
30163 Hannover
Telefon: 05 11/66 54 67
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Aegidienkirche
Agidienkirchhof,
30159 Hannover
Telefon: 05 11/36 43 70
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr


Markuskirche
Hubertusstraße 4,
30163 Hannover
Telefon: 05 11/66 54 67
Geöffnet täglich
16.00 bis 20.00 Uhr

H A N N O V E R
14|07 - 12|11|2000

EV.-LUTH. STADTKIRCHENVERBAND HANNOVER EV.-LUTH. MARKTKIRCHE HANNOVER IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER ERNST BARLACH GESELLSCHAFT HAMBURG

LOST PARADISE LOST steht unter der Schimherrschaft des Bundespräsidenten Dr. Johannes Rau

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